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Die historische Orgelanlage der Klosterkirche Muri geniesst als bedeutendes Klangdenkmal über die Grenzen der Schweiz hinaus grosses Ansehen und wird Jahr für Jahr von Fachleuten und Liebhabern aus aller Welt besucht.

In der romanischen Basilika aus dem 12. Jahrhundert hing wahrscheinlich schon früh eine Schwalbennestorgel an der nördlichen Wand des Langhauses. Die ersten sicheren Nachrichten über Orgeln stammen allerdings erst aus dem 16. Jahrhundert: 1557 baute Balthasar Mygel aus Basel eine neue Orgel, vermutlich auf die Westempore, und 1586 renovierte Peter Johann Rietsch, ebenfalls aus Basel, die alte Schwalbennestorgel und versetzte sie auf den Lettner. Im Jahre 1619 schloss Abt Johann Jodok Singisen einen Vertrag mit Thomas Schott aus Bremgarten für eine grosse Orgel mit Hauptwerk, Rückpostiv und Pedal auf die Westempore. Das im wesentlichen noch der Renaissance verpflichtete Instrument wurde 1630 fertiggestellt und besass 30 Register. Um das Jahr 1660 baute der Konventuale P. Johann Jodok Schnyder eine neue Orgel auf den Lettner und ein kleineres Instrument für die Abtskapelle.
In den Jahre 1695/97 erfolgte der Barockumbau der Klosterkirche zur heutigen Gestalt mit dem kuppelüberwölbten Oktogon im Zentrum. An Stelle des Lettners entstanden vorne im Oktogon, angrenzend ans Querhaus, zwei seitliche Emporennischen. Auf der Epistelseite stellte Hans Melcher von Zuben aus Unterwalden 1696 die Schnyder-Orgel wieder auf und baute in die Nische auf der Evangelienseite ein neues Instrument. Im Westen wurde das Schiff über die Turmfront hinaus verlängert und die Schott-Orgel auf einer neuen Empore wieder aufgerichtet.
Unmittelbar vor der Umgestaltung des Innenraumes im Stile des Rokoko liess Fürstabt Gerold I. Haimb im Jahre 1743 beide Lettnerorgeln ersetzen durch neue Instrumente von Joseph und Viktor Ferdinand Bossard, den ersten Vertretern der berühmten Orgelbauerdynastie aus Baar im Kanton Zug.

Balganlage


  Orgeln

Grosse Orgel
Das 1630 von Thomas Schott fertiggestellte Instrument erfuhr 1744 durch Joseph und Viktor Ferdinand Bossard folgende Veränderungen: eine neue Windversorgung mit 7 Keilbälgen und - als einzigen klanglichen Eingriff - im vorher vierfüssigen Rückpositiv ein 8'-Basisregister und zwei neue Zungen. Das Orgelgehäuse wurde 1746 von Nikolaus Spiegel neu gefasst. In den Jahren 1826/27 renovierte Franz Joseph Remigius Bossard die Orgel und erweiterte die Klaviatur bis f'''. Der erste gravierende Eingriff ins Schottsche Konzept geschah 1833/34 durch Conrad Bloch von Aesch, der das Rückpositiv als Oberwerk auf das Hauptwerkgehäuse setzte und auch die Balganlage umbaute. Zur gleichen Zeit wurde die Empore nach vorne erweitert und mit einer neuen Brüstung aus Gips versehen. Schliesslich revidierte 1851/52 Friedrich Haas von Kleinlaufenburg die Orgel; seine gewichtigsten Eingriffe waren eine neue Trompete 16' im Pedal und die Höherstimmung um 1 pyth. Komma. In diesem noch sehr weitgehend originalen Zustand überlebte die Schott-Orgel bis 1919, als der Zeitgeist und die Suche nach Arbeit im Gefolge des Weltkrieges zu ihrem Untergang führten. Auf Betreiben des Luzerner Stiftsorganisten F.J. Breitenbach räumte die Firma Goll, Luzern die Orgel vollständig aus und baute ins alte Gehäuse eine neues röhrenpneumatisches Werk mit romantischer Disposition und freistehendem Spieltisch. Ein Teil des Schottschen Pfeifenwerkes wurde verstümmelt und in willkürlicher Zuordnung wiederverwendet, der Rest verschwand, ebenso die Windladen und die gesamte Mechanik. Nach verschiedenen Anläufen und heftig geführten Diskussionen wurde 1966 der Entscheid gefällt, die Schott'sche Orgelanlage bezüglich Werkaufbau, Gehäuse und Emporensituation zu rekonstruieren. Auf der instrumentalen Seite musste man sich verständlicherweise auf die Wiederherstellung und originalgetreue Ergänzung des Schott'schen Pfeifenwerkes beschränken. Windladen und Mechanik wurden in traditioneller Bauweise neu hergestellt, die ursprüngliche Disposition durch einige Register erweitert und eine moderne Windversorgung mit zwei Magazinbälgen gebaut. Die Fassung des Gehäuses wurde auf den Zustand von 1746 zurückgeführt. Diese Arbeiten wurden in den Jahren 1965 bis 1972 von der Orgelbaufirma Metzler in Dietikon, Mitarbeiter Bernhardt H. Edskes, und dem Restaurator der Klosterkirche, Josef Brühlmann, ausgeführt. Die Grosse Orgel besteht heute wie ursprünglich aus Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal; sie besitzt 34 Register, von denen 16 alt oder mindestens teilweise alt sind.
Durch erneute Prüfung der archivalischen Quellen und eine darauf basierende Untersuchung der ehemaligen Balgkammer konnten sichere Grundlagen für eine Rekonstruktion der Bossardschen Balganlage von 1744 geschaffen werden. Im Herbst 2005 baute die Orgelbaufirma Kuhn in Männedorf nach dem Bossardschen Konzept eine neue Balganlage mit 7 mehrfaltigen Keilbälgen, sodass die Grosse Orgel heute wieder über eine ihrem Wesen entsprechende Windversorgung verfügt.


    Lettnerorgeln
Die 1743 von Joseph und Viktor Ferdinand Bossard erbauten Instrumente unterscheiden sich in ihrer äusseren Gestalt kaum; ihre Prospekte sind spiegelbildlich und enthalten alle 45 Pfeifen des Principal 8'. Auch der Zierat ist bis auf die bekrönenden Engelpaare sehr ähnlich. Beide Orgeln verfügen über Manual und angehängtes Pedal — je mit kurzer Bassoktave — und originale Windver­sorgungen mit je 3 fünffaltigen Keilbälgen. Gleiche modifiziert mitteltönige Temperierung und Stimmtonhöhe ermöglichen ein gemeinsames Musizieren.
Die Evangelienorgel besitzt 8 Register auf einer Windlade und ist weitgehend original erhalten; der Tonumfang beträgt C bis c''' im Manual und C bis a° im Pedal. Die Epistelorgel besitzt heute 16 Register, 13 im Manual und 3 Pedalregister auf separater Windlade im Untergehäuse; der Tonumfang beträgt C bis f''' im Manual und C bis a° im Pedal. Das Instrument erfuhr anfangs des 19. Jh. einige Veränderungen, die noch nicht vollständig geklärt sind. Aktenkundig sind ein Pedalumbau von 1818 und die Erweiterung des Manualtonumfangs auf f''' durch Franz Joseph Remigius Bossard um 1830.
Nach der Klosteraufhebung von 1841 verfielen die Instrumente; die Evangelienorgel wurde gar nicht mehr und die Epistelorgel nur noch sporadisch gespielt. Erst in den Jahren 1961/62 wurden die Orgeln durch Hansueli Metzler wieder spielbar gemacht und die Gehäuse durch Josef Brühlmann umfassend restauriert. Die Disposition der Epistelorgel wurde dabei auf einen früheren Zustand zurückgeführt, beide Instrumente rein mitteltönig temperiert und mit einem Gebläse versehen. Eine zweite Restaurierung durch Bernhardt H. Edskes 1991/92 korrigierte gewisse Eingriffe von 1961/62, vor allem stellte sie die ursprüngliche Temperierung Bossards wieder her.

  Regal   Kleinorgeln
Neben den drei Emporenorgeln wurden für die Klosterkirche im Verlaufe der Zeit verschiedene transportable Orgelinstrumente angeschafft, so etwa von Johann Christoph Pfleger ein Chorpositiv und ein Regal (zwischen 1634 bis 1639) und von Karl Joseph Maria Bossard eine Tragorgel (1777/78). Als einziges erhaltenes Instrument ist sie heute im Besitz des Landesmuseums Zürich. Ein von Pfleger 1644 gebautes Regal, dessen Herkunft ungeklärt ist, befindet sich im Richard-Wagner-Museum, Luzern. In den Jahren 1991/92 wurden diese beiden Instrumente von Bernhardt H. Edskes nachgebaut und ergänzen heute das Orgelinventar der Klosterkirche Muri auf insgesamt fünf Instrumente, die regelmässig in Gottesdiensten und Konzerten erklingen.

Die technischen Details
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Kontaktadresse:
Johannes Strobl, Kirchenmusiker in Muri
Hammerstrasse 101, 4057 Basel
Telefon+Fax: 061 322 36 39
Email: j.strobl@bluewin.ch


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